Inspirationen für das Gesundheitswesen der Zukunft

Gibt es für New Work, Robotik und Künstliche Intelligenz auch Nutzungsmöglichkeiten in der Psychiatrie? Fast 300 leitende Angestellte wagten beim diesjährigen Führungstag des ZfP Südwürttemberg einen Blick in die Zukunft der Arbeitswelt.

Ein Mann mit Brille hält eine Präsentation auf einer Tagung. Er spricht vor einem Publikum und verwendet eine Präsentationsfolie.

Geschäftsführer Dr. Dieter Grupp begrüßte knapp 300 leitende Angestellte zum Führungstag des ZfP Südwürttemberg am Standort Weissenau.

Beim jährlichen Führungstag können und sollen sich die Führungskräfte des ZfP Südwürttemberg kennenlernen, austauschen und vernetzen. Zur Begrüßung sagte Geschäftsführer Dr. Dieter Grupp: „Heute geht es um Inspirationen für das Gesundheitswesen der Zukunft. Wir haben viele Ressourcen, doch wir müssen sie besser organisieren – es bedarf einer Transformation. Vor dem Hintergrund wachsender Aufgaben und sinkendem Personalangebot stellt sich die Frage, welche organisatorischen und technischen Lösungen uns dabei unterstützen können.“

 

Für einen entsprechenden Input von außen konnte die Planungsgruppe, bestehend aus Eva Majovski, Dr. Bettina Jäpel, Kerstin von der Heiden, Dieter Haug, Prof. Dr. Uwe Herwig und Martin Holzke, das Fraunhofer IPA Institut Stuttgart gewinnen. Majovski war gemeinsam mit Kismet Yigit auch für die Moderation zuständig. In der ersten Key Note sprach Oliver Schöllhammer, Leitung Unternehmensstrategie und -entwicklung im Fraunhofer IPA Stuttgart, über New Work. Mit Digitalisierung, KI und Robotik beschäftigten sich im zweiten Themenblock Jana Stecher und Malte Volkwein, Bereich Digitales Gesundheitswesen im Fraunhofer IPA Stuttgart.

 

„New Work hilft, sich auf das neue Normal einzustellen, wenn sich die Anforderungen an die Organisation ändern“, sagte Schöllhammer. Für den Wandel hin zu einer „agilen Organisation“ gebe es nicht die eine Lösung, die für alle passt, aber es gebe Grundprinzipien. Wichtig sei es unter anderem, Verantwortung gut zu verteilen und kundennah zu verlagern. Mitarbeitende sollten authentisch sein können und die Freiheit haben, agieren zu können. Es gehe um Vertrauen schenken und Sinn stiften. „Eine Flexibilisierung des Arbeitens, die Gestaltung des Onboardings, die digitale Infrastruktur, das Raum- und Flächenmanagement - eine Organisation sollte wissen, welches Arbeitsumfeld für die Mitarbeitenden notwendig ist.“

 

Dem ersten Themenblock folgte eine erste Podiumsrunde, die der Frage nachging, inwieweit das Konzept der „agilen Organisation“ im ZfP Südwürttemberg umgesetzt werden kann. Frank Kuhn, Zentralbereichsleiter Personal und Organisation, sagte: „Vor dem Hintergrund zunehmender Behandlungs- und Dokumentationsvorgaben aus der Politik stellt es eine Herausforderung dar, Agilität aufrecht zu erhalten.“ Dass bestehende Strukturen manchmal hemmen, stellte Ilona Herter, Pflegedirektorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Region Donau-Riss, fest: „Es gibt von vielen Mitarbeitenden den Wunsch, schneller und flexibler agieren zu können.“ Die Chancengleichheitsbeauftragte im ZfP Südwürttemberg, Carmen Kremer, attestierte: „Zum Teil sind wir auf einem guten Weg. Um in der Umsetzung aber alle Mitarbeitenden mitzunehmen, braucht es mehr Power und neue Wege.“

 

In der zweiten Key Note des Tages erläuterten die Fraunhofer-Forschenden drei Arten maschinellen Lernens und die Grundprinzipien neuronaler Netze. Beispielhaft stellten sie KI-Projekte aus der somatischen Praxis vor, darunter eine sensorgesteuerte Dekubitus-Erkennung sowie ein KI-gestütztes Terminmanagement. Volkwein führte aus: „Die Einsatzmöglichkeiten von Künstlicher Intelligenz hängen stark von der Qualität und der Verfügbarkeit der Daten ab.“ Dabei seien stets auch ethische Aspekte zu bedenken.

 

Dr. Judith Schoch präsentierte anschließend ein bei der Evangelischen Heimstiftung laufendes Robotik-Pilotprojekt: Dort kommen seit kurzem zwei „soziale Roboter“ in Pflegeheimen zu Einsatz. Diese können soziale Signale wahrnehmen, empathisch darauf reagieren sowie verbal und nonverbal kommunizieren. Die Serienreife sei noch nicht erreicht, aber die Roboter, die stets von Mitarbeitenden begleitet zum Einsatz kommen, würden von den Bewohnerinnen und Bewohnern eher positiv wahrgenommen.

 

Die zweite Podiumsdiskussion lotete dann die Chancen und Risiken von ChatGPT und Co. im Kontext der Psychiatrie aus. Betriebsdirektor Dieter Haug betonte: „Wie wird sich dieser Bereich in den nächsten fünf oder zehn Jahren weiterentwickeln? Klar ist in jedem Fall, dass wir uns jetzt damit beschäftigen und überlegen müssen, was davon uns weiterhelfen kann.“ KI-Anwendungen könnten sicherlich entlastend eingesetzt werden, war für Dr. Sophie Hirsch, Chefärztin am ZfP-Standort Biberach klar, jedoch müssten die Menschen dann auch dafür befähigt werden. „KI muss uns helfen und nicht zu einer weiteren Verdichtung von Arbeit führen“, sagte Dr. Hubertus Friederich, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychosomatik Region Alb-Neckar. Einig war sich die Gesprächsrunde etwa hinsichtlich der Bedeutung eines genauen Abwägens ethischer Fragen und der Wichtigkeit von tragfähigen Rahmenbedingungen.

 

Geschäftsführer Grupp zog abschließend ein positives Fazit: „Die große Frage lautet: Wie wollen wir unsere Zukunft gestalten? Es geht darum, Chancen auszuloten, Positives zu nutzen sowie Risiken abzuwägen und zu minimieren. Es war ein etwas anderer Führungstag, einer, der zum Nachdenken anregt. Vielen Dank an Eva Majovski und das ganze Planungsteam für diesen wertvollen Impuls.“

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