Pflegesymposium: Mit Verständnis und Vertrauen in Verbindung kommen

Wie lassen sich positive Kommunikation und wertschätzende Beziehungen nachhaltig in der psychiatrischen Pflegepraxis umsetzen? Über diese und weitere Fragen diskutierten die Teilnehmenden beim 8. Pflegesymposium des ZfP Südwürttemberg.

Martin Holzke( r.), Zentralbereichsleiter Pflege und Medizin, mit Holger Ragowski, Manne Lucha, Dr. Jacqueline Rixe und Florian Wostry.

„Positivconnection“ lädt dazu ein, sich bewusst zu verbinden und wirksam in Kontakt zu kommen“, beschrieben Lisa-Marie Schubert und Simone Fuchs das diesjährige Motto. Die beiden Pflegeentwicklerinnen begrüßten die rund 300 Teilnehmenden aus der Pflege im Festsaal des Klosters Weissenau und führten durch den Tag. 

 

Manne Lucha, Gesundheits- und Sozialminister a. D. betonte in seiner Begrüßung die Rolle von Pflegefachpersonen als wichtiges verbindendes Element zwischen Psychiatrie und Gesellschaft. „Ihre Empathie und Ihr Einsatz sind auch gesellschaftspolitisch entscheidend.“ Pflege als eine der größten Berufsgruppen habe in den vergangenen Jahren vieles erreicht. Das Symposium, so Lucha, sei ein weiterer Baustein, um das Bewusstsein für Pflege als Profession zu stärken. Martin Holzke, Leiter des Zentralbereichs Pflege und Medizin, stellte anhand der Kurzgeschichte „Land hinter Mauern“ dar, wie gemeinsame Gefühle Menschen verbinden und wie aus Krisen Veränderungen entstehen können. Der Regionaldirektor schlug den Bogen zum Motto: „Brücken und Türen in Mauern schaffen positivconnection.“ 

 

Den Auftakt der Fachvorträge am Vormittag machte die Pflegewissenschaftlerin Dr. Jacqueline Rixe vom Evangelischen Klinikum Bethel in Bielefeld. Sie sprach über Trauma-Informed Care (TIC), ein systemisches Konzept für eine traumainformierte und traumasensible Begleitung von Patient:innen. Traumatische Erlebnisse haben erheblichen Einfluss auf das Verhalten und Sicherheitsgefühl. „Indem wir eine sogenannte Trauma-Brille aufsetzen, also das Verhalten als Copingstrategie verstehen, können wir Handlungen und Symptome besser nachvollziehen und wieder in Beziehung kommen.“ Deshalb müsse man weg von der Frage „Was stimmt mit Ihnen nicht?“ und hin zu „Was ist Ihnen passiert?“. Rixe verwies dabei auf die drei Kernbereiche von TIC: Halt, Haltung und Handlung. 

 

Psychiatrie neu denken 

 

Im Anschluss widmete sich Florian Wostry, Pflegewissenschaftler und APN aus Wien, den Herausforderungen, die therapeutische Beziehung in schwierigen Situationen aufrechtzuerhalten. Vertrauen, Empathie und das Gefühl, gesehen zu werden, seien für Patient:innen zentrale Elemente für einen gelungenen Beziehungsaufbau. „Das Ziel von Pflegefachpersonen ist, einen individuellen Zugang zum Menschen zu finden“, so der Österreicher. „Eine gute Verbindung erfordert Bauchgefühl und Intuition.“ Der Doktorand verdeutlichte anhand seiner Forschungsergebnisse die negativen Auswirkungen von Zwangsmaßnahmen auf die therapeutische Beziehung. Wie lassen sich diese reduzieren? „Wir müssen mehr Zeit für Beziehungsarbeit einplanen, die therapeutische Beziehung strukturell verankern und Zwangsmaßnahmen strukturiert nachbesprechen“, so die Ansatzpunkte des Experten. „Generell gilt, Psychiatrie neu zu denken.“ 

 

Der letzte Referent des Vormittags, Holger Ragowski, der 22 Jahre in Australien lebte, skizzierte anschaulich und humorvoll, wie er, trotz mehrerer Krankheitsphasen, mithilfe des Recovery-Modells seinen persönlichen Genesungsweg in ein aktives und selbstbestimmtes Leben einschlug – ohne psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Angst war mein Krankheitsauslöser, also ging es darum, diese zu verlieren“, berichtete der heutige Coach. Im Hier und Jetzt leben, die Komfortzone vergrößern, sich aktiv vernetzen, all das half ihm dabei. Als weitere Fundamente seiner seelischen Gesundheit nannte er unter anderem Hoffnung, Selbstwert, Flexibilität und Humor. 

 

Am Nachmittag hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, mit den Hauptreferent:innen vertiefend zu diskutieren. In den anschließenden Workshops beschäftigten sie sich in Gruppen mit Themen wie dem Gezeitenmodell, KI-basierten Struktursensoren in der Pflege und dem Umgang mit Aggressionen. Die Kleingruppen boten eine weitere Gelegenheit, Ideen zu diskutieren und verschiedene Fragenstellungen nochmals aufzugreifen. Abschließend wurden die Erkenntnisse der Workshops in einer Statement-Runde zusammengefasst.

 

i: In der neuen Folge des Pflege-Podcasts Yes we care ist Referent Florian Wostry zu Gast und spricht über Zwangsmaßnahmen und therapeutische Beziehung. Diese und alle weiteren Folgen sind hier zu finden sowie auf Spotify

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