ZfP Südwürttemberg und ZfP Reichenau unter neuer Leitung

Zum Jahreswechsel hat Dr. Paul Lahode die Geschäftsführung des ZfP Südwürttemberg sowie des ZfP Reichenau übernommen und damit die Nachfolge von Dr. Dieter Grupp angetreten. Ein Generationenwechsel, der neue Impulse setzt und zugleich Kontinuität sichert.

Ein freundlich aussehender Mann im mittleren Alter mit Brille im blauen Anzug.

Dr. Paul Lahode ist der neue Geschäftsführer des ZfP Südwürttemberg und des ZfP Reichenau.

Mit dem Wechsel an der Spitze des ZfP Südwürttemberg und des ZfP Reichenau setzen die beiden psychiatrischen Versorgungsunternehmen ihren Weg künftig unter der Leitung von Dr. Paul Lahode fort. Der Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und MBA-Absolvent ist bereits seit rund zehn Jahren im ZfP Südwürttemberg tätig, davon die letzten vier Jahre als Mitglied der Geschäftsleitung. Im November 2022 wurde er zum Regionaldirektor der ZfP-Versorgungsregion Donau-Riss ernannt. Seine Motivation, die Nachfolge von Dr. Dieter Grupp anzutreten, entspringt einem klaren Verständnis davon, was psychiatrische Versorgung leisten soll, sowie dem Wunsch, diese in den kommenden Jahren aktiv zu gestalten. „Wir stehen vor einer spannenden, aber auch herausfordernden Zeit im Gesundheitswesen, und ich empfinde großen Respekt vor der neuen Aufgabe“, so Lahode und betont dabei die gute Aufbauarbeit seines Vorgängers: „Hier wurde in den letzten Jahren enorm viel geleistet. Diese Arbeit fortzuführen und weiterzuentwickeln, ist für mich eine Ehre – und eine Verantwortung, die ich mit Demut, aber auch mit Tatkraft angehe.“

 

Von der Klinik ins Ministerium – und wieder zurück

 

Lahodes Weg in die Geschäftsführung war kein geradliniger, aber einer, der ihn gezielt auf die neue Rolle vorbereitet hat. Nach seiner Facharztprüfung Ende 2017 wurde der Kinder- und Jugendpsychiater ins damalige Ministerium für Soziales und Integration abgeordnet. Eine Zeit, die er rückblickend als wertvolle und prägende Phase seines beruflichen Werdegangs beschreibt: „Ich konnte dort sehr viel über politische Entscheidungsprozesse lernen, über das Zusammenspiel von Medizin, Politik und Verwaltung. Dieses Verständnis hilft mir heute, Entscheidungen nicht nur aus einer Perspektive zu betrachten.“

 

Nach seiner Zeit im Ministerium übernahm Lahode im ZfP Südwürttemberg zunächst die Leitung des regionalen Geschäftsbereichs Gemeindepsychiatrie, später die Zentralbereichsleitung. Eine Managementaufgabe, die ihn von Anfang an begeisterte: „Ich habe schon immer Freude daran gehabt, Strukturen zu gestalten und Menschen zu verbinden. Im Laufe der Jahre habe ich gemerkt, dass ich mich in einer Rolle am wohlsten fühle, in der ich Verantwortung übernehmen und Entwicklungen aktiv vorantreiben kann.“ Parallel absolvierte der Mediziner ein berufsbegleitendes MBA-Studium, um sein Verständnis für betriebswirtschaftliche und strategische Fragen zu vertiefen. 

 

Ein Teamplayer mit klarer Linie

 

Für die ersten Monate im neuen Amt hat Lahode sich realistische und zugleich wesentliche Ziele gesetzt: Ein zentrales Anliegen ist für ihn eine gute und produktive Zusammenarbeit innerhalb der Geschäftsleitung – sowohl im ZfP Südwürttemberg, wo der 42-Jährige bisher jüngstes Leitungsmitglied war, als auch in seinem neuen Wirkungskreis im ZfP Reichenau. Dabei möchte der neue Geschäftsführer die beiden Unternehmen künftig enger zusammenführen: „Wir sind zwei starke Einrichtungen mit vielen Synergien. Ich sehe großes Potenzial darin, dass wir uns organisatorisch und strategisch stärker aufeinander zubewegen. Das ist kein kurzfristiges Projekt, sondern ein Prozess, den wir behutsam, aber konsequent gestalten werden.“

 

Bei aller strategischen Klarheit legt Lahode großen Wert auf eine wertschätzende, offene Führungskultur. „Ich wünsche mir, dass wir als Leitungsteam gemeinsam Verantwortung tragen. Entscheidungen müssen vorbereitet, diskutiert und dann auch umgesetzt werden. Ich schätze konstruktive Kritik und ehrliche Rückmeldungen – aber am Ende braucht es Klarheit, damit wir handlungsfähig bleiben.“ Er selbst beschreibt sich als Teamplayer mit einer klaren Linie: „Führung heißt für mich, Menschen zu befähigen. Ich will zuhören, Orientierung geben und dann gemeinsam ins Handeln kommen.“ Wertschätzung ist für ihn nicht nur bloßes Schlagwort, sondern gelebte Haltung. „Jede und jeder, egal in welcher Funktion, trägt entscheidend zum Erfolg der ZfP bei. Pflege, Ärztlicher Dienst, Verwaltung, Technik, Küche – wir alle wirken an einem gemeinsamen Ziel mit: Menschen mit psychischen Erkrankungen bestmöglich zu unterstützen. Dieses Zusammenspiel ist unsere Stärke.“

 

Klare Ziele und eine Haltung, die trägt

 

Ein zentrales Anliegen ist für Lahode die Weiterentwicklung der Versorgungsstrukturen. Die Zukunft der Psychiatrie sieht er in flexiblen, sektorenübergreifenden Angeboten. „Wir müssen uns weiter in Richtung ambulanter und teilstationärer Versorgung bewegen und die Menschen dort abholen, wo sie leben.“ Der prägende Gedanke der Gemeindepsychiatrie ist dabei für ihn eine Leitlinie: „Versorgung muss sich an den Menschen orientieren, nicht an Gebäuden oder Zuständigkeiten.“ Auch die Digitalisierung steht für ihn weit oben auf der Agenda. „Das Gesundheitswesen ist hier insgesamt zu träge. Wir müssen Prozesse vereinfachen, Schnittstellen verbessern und uns stärker vernetzen. Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, um unseren Alltag effizienter zu gestalten – damit wir mehr Zeit für das Wesentliche haben: die Arbeit mit und für unsere Patientinnen und Patienten.“

 

Auch die Herausforderungen spart der neue Geschäftsführer nicht aus, Fachkräftemangel und der Umgang mit knapper werdenden Mitteln spielen für ihn eine ebenso große Rolle. Entscheidungen müssten gerecht getroffen werden, so Lahode – und zwar unter dem Aspekt, welche Angebote wirklich gebraucht werden und welche möglicherweise neu gedacht oder sogar aufgegeben werden müssen. Gleichzeitig betont er, dass die Einrichtungen nicht zu rein kennzahlenorientierten Unternehmen werden dürfen. Vielmehr versteht er die beiden Zentren für Psychiatrie als moderne Sozial- und Gesundheitsunternehmen, die sich einer klaren Haltung verpflichtet fühlen: psychisch erkrankten Menschen die bestmögliche Versorgung zu bieten, getragen von einer stabilen, solidarischen Unternehmenskultur.

 

Mut und Fehlerkultur als zentrale Prinzipien

 

Trotz vieler neuer Ideen und Pläne ist es Lahode ein ausdrückliches Anliegen, dass er nicht mit dem Anspruch startet, alles besser zu wissen. Vieles, was gut funktioniert, möchte er bewusst fortführen – vom kollegialen Miteinander mit flachen Hierarchien bis hin zur Entscheidung, zentrale Bereiche wie Küche oder Wäscherei nicht auszulagern. Auch die starke Orientierung an den Bedürfnissen der Mitarbeitenden, flexible Arbeitsmodelle und soziale Angebote sieht der neue Geschäftsführer als wertvolles Erbe, das er weitertragen möchte.

 

Privat beschreibt Lahode sich als bodenständigen Menschen, der tief in seiner Heimat verwurzelt ist. Auf die Frage, was ihn im Alltag ausgleicht, muss er nicht lange überlegen: „Meine Frau. Sie ist für mich der wichtigste Ruhepol.“ Ihre gemeinsame Zeit verbringen beide am liebsten beim Kochen oder draußen in der Natur, oft beim Wandern. Auch sein hohes gesellschaftliches und soziales Engagement zeichnet den Biberacher aus. Neben seinen zahlreichen Ehrenämtern und Mitgliedschaften in verschiedenen Fördervereinen liegt ihm seine Mitgliedschaft in der Biberacher Schützendirektion ganz besonders am Herzen. Das Schützenfest, so betont er, sei für ihn weit mehr als eine Veranstaltung – es stehe für Gemeinschaft, Tradition und Identität. 

 

Mit klinischem Hintergrund, politischer Erfahrung und Managementorientierung ist der neue Geschäftsführer bereit, große Veränderungen anzustoßen, ohne das Bewährte aus dem Blick zu verlieren. Seine Botschaft an die Mitarbeitenden fasst Lahode mit einem Satz zusammen, der ihn selbst gut beschreibt: „Ich bringe Mut und Tatendrang mit – aber auch Demut und Respekt vor der Aufgabe. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit, auf den offenen Austausch und auf ein Miteinander, das von Vertrauen, Haltung und Begeisterung für die gemeinsame Aufgabe getragen ist.“ 

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